Normalität und Perversion – Zur Kritik ‚neuer’ Gleichstellung und ‚alter’ Ungleichheiten

Unsere gegenwärtige Gesellschaft ist durch einen zunehmenden Zwang zur Individualisierung gekennzeichnet. Wir haben aus einer schier unendlichen Zahl von Möglichkeiten zu wählen, was uns am ehesten abbildbar/verwertbar macht. Damit einher geht eine gewisse Orientierungslosigkeit, die gerne als ‚Werteverfall’ vereinfacht wird.

Der tatsächlichen Orientierungslosigkeit als gesellschaftlichem Problem wird dabei unterschiedlich begegnet. Einer der Versuche läuft auf die Wiederbelebung vergangener Wertvorstellungen hinaus. Konzepte wie „Tradition“, „Nation“ und „Bürgerlichkeit“ dienen dabei ‚neokonservativen‘ Akteur_innen als Kontrapunkte. So werden etwa im gleichstellungs- und sexualpolitischen Feld Ehe/Lebenspartnerschaft, Familie und geschlechtliche/sexuelle Identität neu-konservativ verhandelt. Überraschend positiv ist schließlich der Widerhall im gesellschaftlichen Mainstream: Selbst emanzipatorische Fürsprecher erheben die ‚Normalität‘ des Lebensentwurfs zum eigentlichen Ziel. Was bliebe ist ein ‚perverser Rest‘, unwillig sich zu integrieren.

Im Vortrag wird an ausgewählten Beispielen dieser ‚Rückfall’ vorgestellt. Zudem wird eine Kritik daran mit Blick auf Forschungsergebnisse der „Queer Theory“ zur Diskussion gestellt.

Ein Vortrag von Wrzesinski, Marcel (M.A.)
Studium der Philosophie, Gender Studies, Kulturanthropologie und Volkskunde in Bochum, Münster und Berlin. Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Bochum) im NRW-Landesprojekt „anders und gleich in NRW. Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“ (2011-2012), gegenwärtig Fachredakteur („Pop. Kultur und Kritik“; „KULT_online“) und Doktorand am International Graduate Centre for the Study of Culture (Gießen).

Donnerstag, 12.12.2013 | 18.00 Uhr | Nordpol (Münsterstr. 99)


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